"Renoir" von Gilles Bourdos im Kino

Die letzte Muse

Licht, Schönheit und Liebe zur Kunst sind die bestimmenden Themen für diese Filmbiografie. Der Regisseur Gilles Bourdos macht sich auf die Suche nach der Inspirationsquelle im Leben der Renoirs – des Malers und seines Sohnes Jean. Der französische Filmemacher findet sie in Gestalt der letzten Muse. Sie lässt das Werk des Künstlers im Jahr 1919 in "Die Badenden" gipfeln.

"Tizian hätte sie angebetet", so Renoir im gleichnamigen Film. Foto: Arsenal Filmverleih

"Tizian hätte sie angebetet", so Renoir im gleichnamigen Film.

 

Andrée Heuschling bei ihrer Ankunft in "Les Collettes". Foto: Arsenal Filmverleih

Gezeigt werden die letzten vier Jahre im Leben des 1915 bereits schwer an Arthritis erkrankten Malers. Aus einer zufälligen Begegnung mit der Künstlerin Andrée Heuschling, oder wie ihre Freunde sie nennen: Dédée, schöpft Renoir neue Kraft und Lebensfreude. An einem strahlenden Sommertag trifft das "Mädchen aus dem Nichts – geschickt von einer Toten" in der Villa der Renoirs an der Côte d’Azur ein. Die Tote ist die verstorbene Frau des Malers, die zu ihren Lebzeiten die junge Rothaarige in das Anwesen "Les Collettes" eingeladen hatte, um dort Modell zu stehen.

 

Dédées golden schimmernde Haut und die südfranzösische Landschaft wecken in Auguste, gespielt von Michel Bouquet, neue schöpferische Energie. Nur so wird es dem von der Krankheit schwer gezeichneten Künstler möglich, trotz großer Schmerzen unablässig zu malen, um die ihn umgebende Schönheit für die Nachwelt zu erhalten. Denn "der Schmerz geht vorbei – die Schönheit bleibt", so Renoir. Er lässt sich vom Leben treiben und reflektiert seine innere Ruhe auf die Leinwand.

 

Als Renoirs im Ersten Weltkrieg verwundeter Sohn Jean von der Front zurückkehrt, wird auch er von Dédées Charme ergriffen. Nach und nach verfällt er der von Christa Théret gespielten Muse. Liebe, Sex und die Faszination für den Film verbinden die beiden. Sie bestärkt ihn in seinem Wunsch, Filmemacher zu werden, wodurch ihr Traum von der Schauspielerei zugleich näher rückt. Trotz dieser Perspektive eines Lebens in Frieden zieht es den von Vincent Rottiers gespielten Jean wieder an die Front. Kurze Zeit später lässt er seine Liebsten an der Côte d’Azur zurück, um in den Krieg zu ziehen. Erst nach Kriegsende gibt es ein Wiedersehen.

 

Renoir stirbt im Jahre 1919. Jean und Dédée machen ihre Leidenschaft für den Film zum Beruf. Der später berühmte Filmemacher schafft es aus dem Schatten seines Vaters herauszutreten.

 

Alexandre Desplats Musik unterstreicht die leichte und zugleich melancholische Stimmung des Films auf eine besondere Art: Sie verleiht den satten Farben der französischen Küste eine noch stärkere Intensität und Wärme. Noch mehr als die Côte d’Azur fesselt den Betrachter Dédée. Die Handlung ist bis zum Schluss erschreckend einfach. Es gibt aber viele Details, die den Film knistern lassen. Die letzten Tage Renoirs: berühren dann doch.

 

 

"Renoir", seit dem 7. Februar 2013 im Kino, Filmbiografie, Frankreich, 2012, 111 Minuten, Regie: Gilles Bourdos, Darsteller: Michel Bouquet, Christa Théret, Vincent Rottiers, Thomas Doret, Romane Bohringer. Arsenal Filmverleih, FSK: 0

 

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