Martin Arz und sein 5. Max-Pfeffer-Krimi "Westend 17"

Hinrichtung an der Hackerbrücke

Im Rahmen des Krimifestivals präsentierte der Museumsladen "Servus Heimat" am 10. April 2014 einen neuen Fall des homosexuellen Münchner Kriminalrats Max Pfeffer. Das zentrale Thema ist diesmal die Zwangsehe, die der Autor aus einer eher ungewohnten Perspektive betrachtet. Es geht um harte Schicksale, und Männer, die vor ihren Familien auf der Flucht sind.

Blick auf die Hackerbrücke. Foto: Rufus46@wikimedia.org

Blick auf die Hackerbrücke.

 

Münchner Westend früh am Morgen, ein Toter hängt an der Hackerbrücke. Was nach einem Selbstmord aussieht, stellt sich bald als grausame Hinrichtung heraus. War der türkische Obsthändler aus Berlin nur zufällig am falschen Ort? Und was könnte der skrupellose Geschäftspartner des Ermordeten damit zu tun haben? Die Suche nach dem Mörder führt Pfeffer nicht nur nach Berlin-Neukölln, sondern auch zu einem Münchner Obdachlosenheim für Jugendliche. Nach einem Exkurs ins Rotlichtmilieu mit all seinen Kehrseiten stellt sich schlussendlich die Frage, ob Menschen für ihre Freiheit über Leichen gehen würden.

 

Die literarischen Tatorte und einige Handlungsstränge sind überwiegend fiktiv, doch auch "ein tatsächlicher, realer Fall" wird hier beschrieben, so Arz. Auf welches Schicksal er anspielt, bleibt offen. Der in München lebende Maler und Autor hat bisher zwei Hauptcharaktere erschaffen: Hobbydetektiv Felix von Schwind, den ebenfalls homosexuellen Helden seiner frühen satirischen Romane und Kriminalrat Max Pfeffer. Beide Reihen spielen überwiegend im Münchner Glockenbachviertel und bieten Einblicke in die hiesige Homosexuellenszene. Schade nur, dass viele Schilderungen etwas klischeehaft wirken. Der Versuch Berlin aus Münchner Sicht zu schildern und umgekehrt erscheint durch den subjektiven Autorenblick ebenfalls vorurteilsbehaftet. Umso erfreulicher ist dafür die Aussage, dass "für Max Pfeffer sein Lebensgefährte der Beweis dafür war, dass ein Mix aus allen Völkern und Hautfarben der Welt die schönsten Menschen hervorbringt".

 

Gelungen ist das Zusammenspiel zwischen Veranstaltungsort und Handlung. So verschmolzen die zünftige Musik und die zwischen dem "Mia san mia"-Geschirr und Bierkochbüchern aufgehängten Kuckucksuhren amüsant mit Pfeffers Ermittlungen. Es geht um Flucht, Drogen, Prostitution und Gewalt. Vordergründig ist "Westend 17" jedoch eine Auseinandersetzung mit der Zwangsehe und den Konflikten, die sich für Jugendliche mit Migrationshintergrund daraus ergeben.

 

Seinem Publikum versprach Arz zu guter Letzt noch einige Tote und exotische kantonesische Gerichte, bei denen sich Pfeffer "nix scheißt". Ein gutes Buch für "Tatort"-Fans.

 

 

"Westend 17", Max Pfeffers 5. Fall, Kriminalroman von Martin Arz, zirka 220 Seiten, Hirschkäfer Verlag, München 2014.

 

Zum Artikel auf Kulturvollzug

Empfehlen Sie diese Seite auf: