Zur Stroke Art Fair auf der Praterinsel

Kunst zwischen Trash und Schick

Ganz nach dem Motto "Purer Kunstgenuss statt Höchstpreise" setzen unkonventionelle Galerien im Rahmen der Stroke Art Fair Akzente auf dem Kunstmarkt. In München versuchen die Brüder Schwalbe zum fünften Mal Raum für Kreativität und Leidenschaft zu schaffen – mit Erfolg. Doch kann das Ganze tatsächlich ohne ein wirtschaftliches Kalkül umgesetzt werden? Wohl kaum.

"Red Wall" von Anna Bocek. Bild: Anna Bocek

"Red Wall" von Anna Bocek. Foto: Artaffair

 

Auch dieses Jahr präsentiert die urbane Kunstmesse Stroke Art Fair junge, spannende und angeblich bezahlbare Kunst ohne nationale Grenzen oder kulturelle Unterschiede. Neben typischer Streetart gibt es digitale Kunst, Fotografien und Plastiken zu entdecken. Man kann puzzeln, sich von Live Paintings inspirieren lassen oder kostenlosen Vorträgen lauschen. Für eine tatsächlich bleibende Erinnerung sind auch einige Tattoostudios am Ort. So etwa das bayrisch-irische Team "Die kleine Welt", das gekonnt urbane Elemente mit einfachen grafischen Formen kombiniert und diese auf der Haut verewigt.

 

Es ist schön zu sehen, wie Künstlern, die talentiert und noch nicht etabliert sind, die Möglichkeit geboten wird, sich einem breiten Publikum außerhalb der Szene zu präsentieren. Manche Werke sind fraglich, andere dafür umso sehenswerter. Der Bildtext "Give me a wall and I'll fill it", der eine Neuinterpretation von Pablo Picassos Worten "Give me a museum and I'll fill it" darstellt, zeigt deutlich, wie viele der Aussteller vorgehen. So ist der Streetart-Künstler Banksy jemand, der am häufigsten imitiert wird. Die Galerie Muca verdeutlicht dieses Phänomen mit der Aussage: "Stealing graffiti is a crime".

 

Umso schöner sind dafür Arbeiten wie "Bags of it" von Dotmasters. Darauf zu sehen sind mit Müllsäcken vermengte Gucci- und Louis-Voitton-Taschen, die allesamt mit Malutensilien und Spraydosen gefüllt sind. Ein gelungener Mix aus Trash und Schick. Eine interessante Mischung aus Alt und Neu stellen Carrie Reichardts Keramik-Spraydosen dar. Diese erinnern an klassische Porzellanmalerei, jedoch hier à la Streetart. Ähnlich verhält es sich mit "La Liberté" von Andreas Klöpsch. Denn warum sollte man Autos nur fahren, wo man sie doch auseinandernehmen und auf ihre Motorhauben malen kann? Auch Herakut überzeugt mit "Masterpiece" und Aussagen wie: "Love what you create and others will love it too". Auf dem Bild zu sehen ist ein Mann, der lächelnd eine Ballonfigur in der Hand hält.

 

Bei "Le Barbier" von Lou Ros muss man zwangsläufig an Léon Bonnats "Der schwarze Barbier in Suez" (1876) denken und schmunzeln, denn hier wird der Kunde mit einer Axt bearbeitet. Johannes Karls "Der Wanderer" zeigt, wie digitale Animationskunst funktionieren kann. In dem 3:26 Minuten langen Videoloop erblickt man einen Mann und eine fiktive Stadt, die panoramabildartig um ihn kreist. Anton Högers Bild "Jugend ohne Gott", auf dem drei Gestalten die Abgründe unserer Gesellschaft aufzeigen sollen, ist ein gutes Beispiel dafür, dass Kunst fast nur für Sammler erschwinglich ist.

 

Max Zorns Live Paintings sollte man sich ebenfalls nicht entgehen lassen. Was dieser Künstler macht, wird als Tape Art bezeichnet. Hier kann man live miterleben, wie er bevorzugt das New York der 30er Jahre mit kleinen Paketbandschnipseln auf Acrylglas wieder aufleben lässt.

 

Ein insgesamt lohnenswerter Besuch für Freunde der urbanen Kunst.

 

 

Praterinsel, letzter Ausstellungstag 4. Mai 2014. Einige Erläuterungen zum Konzept der Brüder Schwalbe finden Sie beim Rückblick auf die "Stroke Art Fair" aus dem Jahr 2013. Weitere Informationen zur Messe gibt es auf www.stroke-artfair.com.

 

Zum Artikel auf Kulturvollzug

Empfehlen Sie diese Seite auf: